Donnerstag 25.9. – Hafenkino in Skala
Am Donnerstag morgen verlassen wir unsere geschützte Bucht. Nachdem wir unter Motor die ersten 3 Meilen nach Luv in rauher See bewältigt haben, geht es rasant raumschots gen Südost, und nach rund zwei Stunden erreichen wir das ruhige Wasser im Lee der Insel. Noch vor Mittag legen wir im sicheren Haupthafen von Astypalaia mit dem Heck an der Mole an, zwischen einem Schweizer Katamaran und einer wunderschönen Hallberg Rassy 61, ebenfalls mit Schweizer Skipper.
Bald darauf läuft die Arc en Ciel unserer Tegernseer Freunde ein, die zufällig das gleiche Ziel haben.
Am Nachmittag geht dann das Theater los: eine deutsche Crew eiert buchstäblich stundenlang durch den kleinen Hafen, lässt dauernd das Bugstrahlruder heulen, bricht mehrere Ankerversuche ab, scheuert mit seiner Ankerkette am Motorboot der Küstenwache, und landet – es ist mittlerweile dunkel – manövrierunfähig im Ankergeschirr der HR61, deren Crew nicht an Bord ist. Nach Ratlosigkeit, Diskussionen, und Hilfsangeboten organisiert jemand ein kleines Motorboot, das die Yacht frei schleppt.

Mit dem Inselbus fahren wir rauf zur Chora. Von der venezianischen Festung sind außer zwei (geschlossenen) Kirchen nur Ruinen übrig, aber die Aussicht über Hafen, Windmühlen und Insel lohnt sich.
Freitag, 26.9.25 – Erholungstag
Das seemännische Trauerspiel vom Donnerstag setzt sich am Freitag mit einer Österreicher Crew im Hafenbecken fort, die ebenfalls mehrmals quer treiben und fremde Ketten kreuzen, bevor sie einen sicheren Platz finden. Zum Glück sind wir bei dem ganzen Theater nur Zuschauer.!
Wegen unsere Erkältungen – hatte ich schon geschrieben, dass wir inzwischen beide kränkeln? – keine große Aktivität!
Samstag, 27.9.25 – Rundfahrt Astypalaia
Mit dem Mietwagen erkunden wir die Insel. Sie hat ca. 1400 Einwohner in wenigen Siedlungen, auf dem felsigen Boden gibt es nur wenige Bäume und bewässerte Felder. Der kleine Flughafen mit 2 bis 4 Flügen pro Tag ist heute wegen Starkwind geschlossen.




Die Insel hat mit Unterstützung der Regierung und Kooperation mit Volkswagen ein Nachhaltigkeitsprojekt: Es gibt elektrische Busse und Ruftaxis (Buzz, ID3) und eine zugehörige Buchungs-App. Die seit 2020 geplanten Windkraftanlagen existieren leider noch nicht, und aller Strom wird aus Diesel erzeugt!


Am Nachmittag zurück am Boot, versuche ich am Mast das Dampferlicht zu reparieren. Dazu muss ich bis zur unteren Saling rauf in den Mast, und entdecke mit Schrecken: das Terminal der Backbord-Unterwand ist fast durchgebrochen! Das könnte einen Mastbruch zur Folge haben, was unsere Freunde ja schon erleben mussten. Es ist Samstag Abend – ob wir hier auf der Insel eine Reparatur bekommen? Das Originalteil müsste mitsamt der Want maßgerecht angefertigt werden – keine Chance!

Der telefonisch um Rat gefragte Hafenmeister verspricht, einen Schweißer zu organisieren, meldet aber kurz darauf, dieser sei heute in Athen. Wir fragen in einem chaotisch wirkenden Hardware Store, wo ich gestern eine Leine gekauft hatte. Der Händler telefoniert kurz, und verspricht: Manolis kommt zum Hafen und schaut, was er machen kann.
Tatsächlich sind wir kaum im Hafen zurück, als schon ein wettergegerbter alter Herr auf dem Moped auftaucht. Mit ihm zusammen demontiere ich die ca. 5m lange Want, er rollt sie ein und verschwindet damit. Wir haben nicht mal seine Telefonnummer – nach rund 90 Minuten bringt er das Teil sauber geschweißt zurück! Unsere Erleichterung kann ich kaum beschreiben: wenn ich nicht zufällig die Beschläge kontrolliert hätte…, wenn wir diesen Manolis nicht gefunden hätten… !!


